Bericht über ein nebenberufliches Bauträgerprojekt

In Gersthofen stand ein Mehrfamilienhaus zur Verfügung. Vermietet, mit einer akzeptablen Mietrendite. Aber nicht eben schön:

Ich hatte es 1988 nach einem strikt rationalen Kriterium erworben: Mietrendite. Ich war Junggeselle mit hoher Steuerbelastung. Erst in zweiter Line spielte eine evtl. Renovierbarkeit und Aufteilungsmöglichkeit eine Rolle.

Die Finanzierung (ohne Eigenkapital) konnte so gestaltet werden, daß die Mieteinnahmen von Beginn an die Zins- und Tilgungsbelastung überstiegen. Das setzte voraus, daß ich mich um Vermietung, Verwaltung und moderate Mieterhöhungen selbst kümmerte. Neben meinem Vollzeit Siemens Job. Da der aber in Augsburg war schien mir das möglich.

Auch nach meiner Versetzung nach Paris war dies noch möglich. Ich hatte oft genug in Augsburg zu tun. Ende 92 wechselte ich aber nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden nach München zurück. Zwischen 1998 und 1992 erlebten Immobilien eine grosse Wertsteigerung. Zu diesem Zeitpunkt schlug mir ein junger Architekt vor, das Objekt über eine Teilungserklärung zu teilen, zu renovieren und dann als Eigentumswohnungen zu verkaufen. Da das Hinterhaus aber in sehr schlechter Bauqualität und nicht unterkellert war, beschlossen wir jedoch, es abzureissen und dort neu anzubauen.

Ich gründete auf den Namen meiner damaligen Gattin eine Bauträgerfirma. Sie war proforma geschäftsführende Gesellschafterin, ich machte die ganze Arbeit. Die komplizierte Rechtsform der Bela Casa GmbH & Co KG hatte steuerliche Gründe.

Und nun ging die Planung los. Architekt beauftragen und Finanzierung (2,5 Mio DM waren auch für einen Siemens Manager nicht selbstverständlich) sicherstellen. Suche nach geeigneten Vertriebswegen:  nach vielen  Gesprächen kam ich zu der Überzeugung, daß ich den Vertrieb selbst übernehmen sollte. Eine im Vorderhaus frei gewordene Wohnung diente an Abenden und Wochenenden als Vertriebsbüro.

Ein Prospekt musste erstellt werden. Dazu scannte ich die Architektenpläne und vektorisierte sie mit Micrografx Designer. HP verkaufte erstmals erschwingliche Farb-Tintendrucker, mit denen die etwas überfärbten folgenden Pläne ausgedruckt werden konnten:


Ich erstellte einen Zeitplan für die ineinandergreifenden Gewerke und einen Finanzierungsplan, den ich regelmäßig mit der Bank besprach.  Die Buchhaltung, die Abrechnung mit den Handwerkern und den Käufern machte ich komplett am Computer selbst. So gelang es mir, 10 von den 14 Wohnungen zu verkaufen, 4 habe ich zur Vermietung behalten. Es war sehr viel Arbeit, aber ich habe sehr viel über das Bauen gelernt.