Geschichten, die nur Du kennst
                                                 
                                                                                                   

Es war einmal vor gar nicht langer Zeit ein kleiner Junge, der sich sehr gerne abends vor dem Schlafengehen Geschichten von seinen Eltern erzählen ließ. Das mögen ja die meisten Kinder sehr gerne. Er hörte gerne Kindergeschichten wie den Froschkönig, oder Grimms Märchen, und andere, die seine Eltern jeweils in ihrer eigenen Version erzählten. Am liebsten aber hörte er Geschichten, die sich seine Eltern selbst ausgedacht hatten. "Erzähl mir bitte eine Geschichte, die nur du kennst", sagte er, und sagte immer bitte, denn er war ja ein sehr gut erzogener Junge.

Häufig wollte der Junge auch eine ganz neue Geschichte hören. Er sagte dann: "Bitte eine ganz neue Geschichte, und nicht austricksen", denn er merkte natürlich sofort, wenn seine Eltern eine bereits bekannte Geschichte in etwas abgewandelter Version erzählen wollten. Überhaupt hatte er ein wesentlich besseres Gedächtnis für die Geschichten als seine Eltern. Und deswegen hat sein Papa ein paar Geschichten, die er dem Jungen erzählt hat, aufgeschrieben, damit sie nicht vergessen werden. Und damit der Junge die Geschichten auch schon hören kann, solange er noch nicht selbst lesen kann, hat Papa sie auf diese CD gesprochen.

Und nun, viel Spaß bei den Geschichten, die nur wir kennen.


Der vernachlässigte Stein

Der Kilometerfresser und der gelangweilte Ersatzreifen

Der Regentropfen

Zwerg / Nuss

Die gesammelten Raketen

Papa’s verlorener Schlüssel

Der gequälte Autositz

Gute Nacht aus der Ferne

Das Haus, das die Welt kennen lernen wollte (3:30)

Es war einmal von langer, langer Zeit ein kleines Haus. Es war ganz klein, bestand nur aus einem Doppelbett hinten, einem Bett vorne, einem kleinen Tisch mit Sitzbänken für vier Personen, einem kleinen Kochplatz mit Herd und Spülbecken, und einem klitzekleinen Badezimmer mit Toilette. Dieses kleine Haus stand immer an der gleichen Stelle und sah immer die gleiche Umgebung: eine kleine Wiese, ein paar Bäume, und ein paar Nachbarhäuser, einen Hügel und die Büsche an einem in der Ferne vorbei fließenden Bach. Eines Tages hatte das kleine Haus den Wunsch, mehr von der Welt  zu sehen. "Ich stehe hier immer nur am gleichen Platz und sehe überhaupt nichts von der Welt. Ich möchte auch einmal in die Welt hinaus fahren und etwas anderes sehen als immer nur diese langweilige Umgebung hier".

Das hörte eines Tages eine Fee. Und nachdem das Haus immer öfters jammerte sagte sich eines Tages die Fee: "Diesem armen Haus müssen wir helfen, und den Wunsch erfüllen, dass es etwas von der Welt sehen kann". Und so fing die Fee an zu zaubern: Abrakadabra, Schwuppdiwupp, da hatte das kleine Haus auf der hinteren rechten Seite ein Rad. Und gleich noch einmal: Abrakadabra, Schwuppdiwupp, und jetzt hatte das Haus auf der hinteren linken Seite noch ein Rad. Aber was soll ein Haus mit 2 Rädern anfangen. Also ging es weiter: Abrakadabra, Schwuppdiwupp und das Haus hatte auf der vorderen rechten Seite ein drittes Rad. Und schließlich: Abrakadabra Schwuppdiwupp und das Haus hatte auf der vorderen linken Seite ein viertes Rad und hatte jetzt auf allen vier Seiten je ein Rad. Aber die Fee hörte deswegen noch nicht auf. Sie zauberte gleich weiter: Abrakadabra, Schwuppdiwupp und das Haus hatte eine Windschutzscheibe mit Scheibenwischern und ein Führerhaus. Und schließlich Abrakadabra, Schwuppdiwupp, und das Haus hatte einen Motor eingebaut.

Was war das jetzt für ein Haus, mit 4 Rädern, einem Lenkrad, einer Windschutzscheibe und einem Motor? Richtig, es war ein Wohnmobil geworden.

Um nun konnte dieses Haus losfahren und die Welt erkunden. Es machte zunächst eine große Reise durch ganz  Europa, durch Norwegen, Schweden, Dänemark, Polen, Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal und später dann durch die ganze Welt. Und heute ist es noch in dieser ganzen Welt unterwegs.



Der vernachlässigte Stein (2:20)


Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Stein. Der lag am Rande eines Weges in der Nähe eines Hauses. Und häufig liefen an diesem Stein Menschen vorbei, und viele Menschen hatten Hunde dabei. Und der arme Stein musste immer zusehen, wie die Menschen sich bückten und die Hunde streichelten. "Warum streicheln die Leute immer die Hunde, " fragte sich der Stein ganz traurig, „und warum streicheln Sie nie mich, obwohl doch auch ein ganz lieber kleiner Stein bin."

Und so suchte der Stein eine Möglichkeit, den Menschen zu zeigen, dass auch er als Stein ein nützliches Mitglied der Gemeinschaft sein konnte. Und eines Abends ergab sich eine ganz tolle Möglichkeit. Es war schon sehr spät und dunkel, als ein Dieb versuchte im Haus einzubrechen um irgendwelche wertvollen Dinge, Teppiche, Geld oder Schmuck zu stehlen. Der Stein merkte es und sprang hoch in die Luft und flog dem Dieb (boing) direkt an den Kopf. Der Dieb erschrak natürlich fürchterlich, und der Stein tat ihm auch richtig weh. Er hielt sich den Kopf vor Schmerzen und rannte schnell weg.

Die Nachbarn hatten das mitbekommen und schon bald erzählte sich die gesamte Nachbarschaft von der Heldentat des Steines, und dass der Stein das Haus vor dem Einbrecher geschützt hat. Und so kamen nun alle Nachbarn vorbei und streichelten den Stein und sagten: "Hast du gutgemacht, toller Stein und hast den Dieb in die in die Flucht geschlagen. Vielen Dank, und mach weiter so. "

Und so war der Stein ganz glücklich und fühlte sich nie wieder vernachlässigt.

Der Kilometerfresser und der gelangweilte Ersatzreifen (7:20)


Es war einmal ein Autoreifen. Er musste auf dem Fahrzeug eines Handelsvertreters sehr viele tausend Kilometer pro Jahr fahren und strengte sich dabei sehr an. Wegen der vielen Kilometer, die er auf der Strasse rollte, wurde er auch Kilometerfresser genannt. Jeden Morgen musste er sehr früh losfahren, egal bei welchem Wetter. Wenn es kalt war, stand er die ganze Nacht auf der Straße und fror. Im Sommer war es ihm schon am Morgen sehr heiß, und schon nach kurzer Strecke hielt er es kaum aus vor Hitze, und musste dabei ständig in Berührung mit dem heißen Asphalt bleiben, der selbst schon so unter der Hitze stöhnte, dass er fast anfing zu schmelzen.

Eines Tages war es ihm zu viel. Nach einer langen Fahrt, bei der er sehr heiß geworden war, parkte er direkt neben einem Jeep. Am Heck dieses Jeeps hängte ganz gemütlich ein Ersatzreifen. Dieser ließ sich den Wind durch die Rillen blasen und hatte schon seit längerem nichts mehr zu tun gehabt. So langsam wurde es ihm sogar langweilig, immer nur am Heck des Autos `rumzuhängen und sich nicht zu bewegen. Als nun der völlig ausgelaugte und überhitzte Reifen neben ihm zu stehen kam dachte sich der gelangweilte Ersatzreifen: "Mein Gott, dieser Reifen hat wenigstens etwas zu tun, der kann hin- und herfahren und was von der Welt sehen, kann sich dabei anstrengen und bleibt sicherlich sehr gesund. Ich armer Ersatzreifen aber ich hänge hier dumm am Heck meines Jeeps herum und habe nichts zu tun.“

Als er den müden und abgehetzten Reifen stöhnen hörte, sprach er ihn an: "zwar schnaufst du jetzt ganz schön, aber andererseits kannst du dich doch nicht beschweren. Schließlich siehst Du viel von der Welt und bleibst durch die viele Bewegung sicher auch ganz schön fit. Du hast schon ein tolles Leben."

"Oh Mann, du hast ja keine Ahnung. Das ist ein Dauerstress, immer unterwegs zu sein, und den Fahrer und seine Lasten über große Distanzen zu transportieren, und nur selten mal ein Wochenende zu haben, an dem man überhaupt nicht bewegt wird und sich ausruhen kann.“

"Na, nun übertreib mal nicht," sagte der Ersatzreifen, „so schlimm kann es ja doch auch wieder nicht sein. Du hast ja noch nie erlebt, wie langweilig es ist, hier einfach nur am Heck eines Jeeps zu hängen, ohne irgendetwas von der Welt zu sehen, und ohne die geringste körperliche Ertüchtigung. Hier wird man im Laufe der Zeit ganz schlapp und kurzatmig. Ich jedenfalls würde viel lieber mal eine Reise machen und mich so richtig auf den Autobahnen austoben. "

Das war dem armen abgearbeiteten Kilometerfresser dann aber doch zu viel: "Na du hast ja leicht reden. Dich möchte ich mal sehen, wenn Du über die Straßen gehetzt wirst und kaum genügend Zeit hast, um dich ein bisschen abzukühlen."

Und so ging es eine Weile hin und her, bis keinem der beiden mehr ein Argument einfiel, um den anderen zu überzeugen. Und nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten, sagte der abgearbeitete Autoreifen: "Und wenn du mir nicht glaubst, dann können wir gern mal tauschen."

Das interessierte den Ersatzreifen, und er ging sofort auf den Vorschlag ein. "Ja warum nicht, wir können ja heute Nacht, wenn's schon dunkel ist, einfach unsere Plätze wechseln, und du wirst hier zum Ersatzreifen, und ich kann endlich als aktiver Reifen auf den Straßen herumfahren. "

Und so machten es die beiden Reifen: noch in derselben Nacht wechselte der Ersatzreifen an das Rad des viel gefahrenen Vertreterautos, und der müde Reifen des Vertreterautos hängte sich einfach an das Heck des Jeeps. Und so konnte der bisher gelangweilte Ersatzreifen endlich etwas von der Welt sehen, und der arme abgearbeitete Reifen konnte sich endlich gemütlich am Heck des Jeeps ausruhen.

Aber schon bald wurden die beiden Reifen ihrer neuen Rollen überdrüssig. Der doch relativ untrainierte Ersatzreifen begann unter der Hitze und den vielen Kilometern zu stöhnen: „Es ist toll, überall hinzukommen und so viel von der Welt zu sehen, neue Reifenfreunde auf den Parkplätzen kennen zu lernen und sich auf der Autobahn mal so richtig auszutoben. Aber es ist auch ganz schön anstrengend.“ Und schon bald sehnte er sich nach einem ruhigen Platz am Heck eines Jeeps zurück.

Und der bisher fleißige Kilometerfresser genoss es zunächst, in der frischen Luft am Heck des Jeeps zu hängen und sich nicht bewegen zu müssen. Aber bald stellte er fest, dass der Jeep gar nicht viel bewegt wurde, und obwohl er eigentlich ein Geländewagen war, immer nur in der Stadt, und manchmal sogar in einer dunklen Tiefgarage `rumstand. „So hatte ich mir das nicht gedacht, es ist zwar schön, sich auszuruhen, aber nach einer Weile wird es ganz schön langweilig“.

Und es ergab sich, dass eines Tages die beiden Autos wieder nebeneinander geparkt wurden. Erst konnten sie es gar nicht glauben: “Du bist doch …… aber das gibt’s doch nicht …… ja so ein Zufall“, und dann freuten sie sich und begannen von ihren Abenteuern zu erzählen. Zuerst traute sich keiner so richtig dem anderen die Wahrheit zu sagen, aber dann begannen sie sich ihre Geschichte zu erzählen, und als der Jeep Ersatzreifen, der nun in den letzten Wochen so viel gearbeitet hatte, andeutete, dass er gerne wieder am Heck eines Jeeps hängen würde, ging der andere sofort darauf ein. Sie warteten die Dunkelheit ab und tauschten sich dann einfach wieder zurück.

Der Jeepreifen, wieder an seinem alten Platz, sagte: „Es scheint wohl so zu sein, dass man immer glaubt das haben zu müssen was andere haben, und das sein zu müssen, was andere sind. Komisch oder?“

„Ja“, sagte der Kilometerfresser Reifen, „und erst spät merkt man, dass man sich als das was man ist und mit dem was man hat am Wohlsten fühlt.“

Und beide dachten: „Aber um das zu wissen, muss man es probieren“

Beide waren froh, etwas anderes ausprobiert zu haben und jetzt wieder das zu sein, was sie immer waren. Und so fahren Sie heute über die Autobahnen und Landstraßen, und den Ersatzreifen siehst du häufig bei den Jeeps auf den Parkplätzen in unserer Straße.

Der Regentropfen (11:30)

Es war einmal, und es passiert immer wieder, ein Regentropfen. Er war klitzeklein, eigentlich nur ein Stück Feuchtigkeit oder Nebel in einer großen Wolke. Aber eben doch schon ein richtiger kleiner Regentropfen.

Dieser Regentropfen flog mit ein paar anderen, ebenso kleinen Regentropfen in einer Wolke über das weite Land. Die Wolke war erst eine dünne, helle Wolke, fast nur ein Schleier am blauen Himmel, schloss sich dann aber mit anderen Wolken zusammen und wurde immer dichter und dichter und bald schon eine dunkelgraue und später sogar eine schwarze Wolke. Und wie in dieser Wolke so immer mehr klitzekleine Regentropfen zusammenkamen, fühlten sie sich immer mutiger und stärker, manchmal schon ein bisschen übermütig.

Sie flogen gemütlich, unter sich das Meer, über sich den Himmel, und fühlten sich sehr wohl. Nachdem sie eine Weile so gereist waren, änderte sich ihre Aussicht. Plötzlich sahen sie unter sich nämlich kein Meer, keine Schiffe und keine Inseln mehr, sondern festes Land. Dieses Land war zunächst sehr flach und fast so weit weg, wie vorher das Meer. Aber es stieg langsam an, es gab Hügel, Städte, Flüsse und Seen, und das Land kam immer näher und immer näher an die Wolke heran. Bald flog die Wolke über Berge, und auch diese Berge wurden immer höher. Gleichzeitig aber wurde es auch immer kälter, und der kleine Regentropfen begann zu frieren. Und damit es ihm nicht kalt wurde, schloss er sich mit ein paar anderen kleinen Regentropfen zu einem größeren Regentropfen zusammen.

Als sie sich aber gerade so zu einem größeren Regentropfen zusammengeschlossen hatten, wurde dieser größere Regentropfen natürlich schwerer als die kleinen, und er konnte sich in der Wolke nicht mehr halten. Und so viel er aus der Wolke heraus auf die Erde zu. Da bekam er zunächst mächtige Angst. Denn bisher war es so schön gemütlich, mit den anderen Regentropfen zusammen über die Landschaft zu fliegen. Aber nun ging es plötzlich aus der Wolke heraus nach unten. Unter Regentropfen wurde immer schneller und schneller, und die Erde schien mit immer größerem Tempo auf ihn zu zukommen. So bekam er schon Angst: "Wenn ich jetzt da unten auf den Boden aufschlage, dann tut das doch sicherlich fürchterlich weh." Und der kleine Regentropfen begann sich zu fürchten und zitterte. Doch immer näher kam die Erde, und immer größer wurden die Häuser und Bäume und Autos, die er jetzt schon genau erkennen konnte. "Und wenn ich jetzt auf einen harten Stein, oder auf ein Auto aufschlage, dann zerspritze ich nach allen Seiten. Hoffentlich falle ich wenigstens auf eine weiche Wiese," dachte sich der Regentropfen. Als er schon ganz nah war fürchtete er sich fürchterlich. Er musste seinen ganzen Mut zusammen nehmen, und versuchte, sich in dem Moment, als er auf der Erde auftraf ganz klein zu machen. Und er fiel, mit einem großen und lauten Platzscher, direkt in eine Pfütze, in der sich schon andere Regentropfen getroffen hatten.

Da war er aber erleichtert. Um ihn herum lauter Artgenossen, auch Regentropfen wie er, und tatsächlich war sogar einer dabei, mit dem er schon in der Wolke umher gezogen war. Und so waren alle seine Sorgen vergessen, und er schaute sich fröhlich um, was man von so einer Pfütze aus sehen konnte.

Da war zunächst der Boden, auf dem die Pfütze es sich gemütlich machte. Ein harter grauer Boden, den die Menschen Asphalt nannten. Manchmal kamen Autos vorbei und fuhren in solche Pfützen hinein, dass es nur so spritzte. Und manchmal kamen kleine Jungs und sprangen mit beiden Beinen gleichzeitig in so eine Pfütze, bis die ganzen Hosenbeine nass waren und die Mutter laut mit ihrem Kind schimpfte. Unser Regentropfen war jedenfalls froh, dass ihm keiner auf den Kopf sprang.

Nach einer Weile begann es wieder zu regnen und viele neue Regentropfen klatschten in die Pfütze. Da wurde die Pfütze immer größer und größer, und bald wurde es zu eng für die vielen neuen Regentropfen die immer wieder dazukamen. Und so geschah es, dass ein paar Regentropfen über den Rand der Pfütze hinaus gespült wurden und in einem kleinen Rinnsal über den Boden davon flossen. Sie trafen sich mit einem anderen Rinnsal, mit Tropfen, die aus einer anderen Pfütze übergelaufen waren, und schlossen sich mit diesem kleinen Rinnsal zusammen. Auf ihrem Weg trafen sie noch mehrere kleine Rinnsale, und bald wurde es immer näher und so bildeten sie zusammen bald einem kleinen Bach. Dieser kleine Bach floss nun in einem Bachbett, indem sich zuvor schon viele kleine Rinnsale zusammengetan hatten, und in dem schon seit langer Zeit bei Regen kleine Bäche fließen. Und der Bach wurde immer breiter und breiter, und bald schon tummelten sich kleine Fische in dem Bach und freuten sich, dass sie einen neuen Platz zum Schwimmen gefunden hatten. Der kleine Bach floss durch Wiesen und Felder, vorbei an Bäumen und Bauernhöfen, und bald schon schwammen kleine Enten auf ihm. Seine Oberfläche war sehr glatt, wenn es langsam abwärts ging, weil die Landschaft um ihn herum relativ flach war. Wenn es aber abwärts ging, dann wurden die Regentropfen plötzlich ganz quirlig und schnell, und sie begannen ein gemeinsames Lied zu singen, dass Lied, dass wir hören können wenn wir beim Spaziergang an einem kleinen Bach vorbeigehen. Da alle Regentropfen das Lied gleichzeitig singen, klingt es für uns wie das Rauschen des Baches.

An einem Tag kam der Bach an eine Stelle, in der das Bachbett zu Ende zu sein schien, und wo es ziemlich steil abwärts ging. Die Regentropfen hatten überhaupt keine Lust, in diese tiefe Schlucht zu springen, denn schließlich erinnerten Sie sicher noch daran, wie sie aus der Wolke auf den Boden gefallen waren, und das wollten sie jetzt nicht noch mal erleben.  Aber von hinten kamen immer neue weitere Regentropfen, sodass dem Bach nichts anderes übrig blieb, als sich in die Tiefe zu stürzen. An dieser Stelle entstand ein Wasserfall, und die Regentropfen lernten schnell, dass sie auch einen solchen Wasserfall ohne Probleme überstehen konnten. Denn unten waren schon wieder viele andere Wassertropfen, die sie weich auffingen.

Und so wurde der Bach immer breiter und breiter, den immer neue kleine Bäche mit vielen weiteren Regentropfen drin gesellten sich zu ihm. Bald war er schon ein großer mächtige Bach.

Plötzlich merkte der Regentropfen, dass es immer langsamer voranging, dass die Fische immer größer wurden, und dass immer mehr andere Wassertropfen hörte der Wassertropfen um ihn herum waren. Sie waren nämlich alle zusammen in einem Fluss geschwommen. Der Fluss war natürlich viel breiter und viel tiefer als der kleine Bach, und der Fluss viel langsamer. Dafür gab es aber neue interessante Dinge zu sehen. Da gab es zum Beispiel Schiffe, die in dem Fluss in der Richtung der Regentropfen schwammen, und andere Schiffe, die in die umgekehrte Richtung, stromaufwärts schwammen. Um den Fluss herum gab es nicht nur Wiesen und Felder und Bäume, sondern plötzlich gab es große Häuser, Kranen, Brücken, und über die Brücken hörte der Wassertropfen laute Autos und Lastwagen fahren.

Nach einer Weile passiert etwas ganz ungewöhnliches. Die Wassertropfen wurden in ihrem Weg noch weiter abgebremst und kamen an ein Stauwehr. Hier mussten sie eine Weile warten bis sie durch eine Pumpe in eine Schleuse gepumpt wurden, wobei sie ziemlich durcheinander geschüttelt wurden. Nach dem sie sich alle innerhalb der Schleuse wieder beruhigt hatten, wurden die Schleuse Tore geöffnet und Schiffe wurden hinein gelassen. Und nun wurden sie durch eine Öffnung auf der anderen Seite wieder in die Fortsetzung des Flusses hinab gelassen. Und dann, als die Wassertropfen schon längst das Weite gesucht hatten, durften auch die Schiffe durch die Schleuse im Fluss weiterfahren.

So erlebte unser Wassertropfen auf seinem Weg eine ganze Menge interessanter Dinge. Der Fluss wurde immer breiter, und floss schließlich mit einem noch breiteren Fluss zusammen. In diesem ganz breiten Fluss gab es noch viel, viel größere Schiffe, viel, viel größere Fische, und viel größere Brücken. Irgendwann war der Fluss so breit, dass man nicht mehr von einer Seite bis zu anderen sehen konnte. Ja, plötzlich war das Ufer verschwunden, und das Wasser wurde auch deutlich kälter. Und es begannen ganz anders zu schmecken. Die Wassertropfen um unseren Wassertropfen herum schmecken gegen die salzig. Und da merkte der Wassertropfen, dass er jetzt zusammen mit dem ganzen anderen Wassertropfen, die ihn schon im Bach begleitet hatten und mit ihm den langen Weg durch den Fluss zurückgelegt hatten schließlich im Meer angekommen war.

Na das war ja eine Überraschung: plötzlich konnte er wieder eine Ufer sehen, noch den Grund, denn das Meer war ja auch viel tiefer als der Bach oder der Fluss. Und auch die Fische waren ganz anders geworden. Plötzlich gab es große Fische, und Fischerboote. Einmal traf der Wassertropfen sogar einen Haifisch. Aber hatte keine Angst, denn wusste ja dass Haifische ihm nichts tun werden. Und so vergnügte er sich also mit seinen Freunden im Meer, genoss das auf und ab der Wellen, den Wechsel von Tag zu Nacht, denn tagsüber konnte es, wenn die Sonne schien, schon mal ganz schön warm werden, und nachts ziemlich kalt.

Und so schwamm der Regentropfen zusammen mit seinen Freunden immer weiter hinaus aufs Meer. Eines Tages, als die Sonne besonders schön schien, hielt er sich ganz an der Oberfläche, um sich in der Sonne zu wärmen. Aber die Sonne wurde immer wärmer, und plötzlich begann der Regentropfen sich in ganz, ganz feinen Wasserstaub, in Nebel aufzulösen und sich aus dem Wasser in die Luft zu erheben. So stieg er als Luftfeuchtigkeit durch die Luft auf und verließ seine Freunde, die unten im Meer weiterhin im Wasser blieben. Zunächst fühlte sich das ganz komisch an, denn ans Fliegen war der Wassertropfen ja nun schon lange nicht mehr gewohnt. Aber eben wie war das ja auch interessant, so langsam in der Luft immer weiter nach oben zu schweben. Und jetzt konnte er das Meer wieder von oben sehen, betrachtete die Wellen und ihren Wellenkämme, und schon bald konnte er wieder Schiffe und Inseln sehen. Als er so weiter und weiter stieg, traf er, schon in enormer Höhe angekommen, auf viele Regentropfenfreunde, die sich in einer großen Wolke versammelt hatten. Und da war jetzt wieder, genau da unsere Geschichte auch angefangen hat. Und so freute er sich jetzt mit seinen Freunden in der Wolke über das Meer zu ziehen, und alles schön von oben zu betrachten. Und wie es mit dem Regentropfen weiter ging, das erfahren wir im zweiten Teil der Geschichte.

Zwerg / Nuss

Oben auf dem Berg
lebt ein kleiner Zwerg
unten in dem Fluss
liegt 'ne kleine Nuss
kommt der Zwerg
isst die Nuss
Schluss

Die gesammelten Raketen (4:00)

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Junge, der hieß Philip. Das war aber nicht der Philip, dessen Papa diese Geschichten aufgeschrieben hat, sondern ein ganz anderer Philip.

Dieser Philip hatte an Silvester erlebt, wie viele Raketen und Feuerwerkskörper in die Luft geschossen wurden. Und da hat er sich gedacht: wenn man diese ganzen Feuerwerkskörper zusammenfassen würde, dann könnte man daraus eine große Rakete bauen, mit der man zum Mond fliegen könnte.

Gesagt, getan: der kleine Philip fragte während des gesamten nächsten Jahres alle seine Freunde und Bekannte, und alle Freunde und Bekannte von seinen Freunden und Bekannten, und diese wiederum fragten ihre Freunde und Bekannten und ihre Familien, ob sie nicht die Raketen, die sie nächstes Jahr an Silvester anzünden wollten, lieber in dem Philip liefern würden, damit dieser seine große Rakete daraus bauen könnte.

und tatsächlich, nach Weihnachten begannen plötzlich die Freunde und Bekannten und deren Freunde und Bekannten und deren Freunde und Bekannten und Familien Raketen an Philip zu liefern. Allerdings waren es nicht alle, die es im Laufe des Jahres vor Jahr zugesagt hatten. Viele Freunde und Bekannte hatten es einfach über die Weihnachtszeit vergessen. Aber trotzdem kamen eine ganz große Menge von Raketen und Feuerwerkskörpern zusammen. Philip hatte also alle Hände damit zu tun, diese Raketen zusammen zu binden. Er nahm sich dazu große Mengen Schnüre von seiner Mutter, holte sich von seinem Vater Tesafilm und andere Klebebänder, und schließlich noch den Klebstoff, den er immer für seine Modelleisenbahnhäuser verwendete. Dazu holte er noch Hammer und Nagel, und bastelte so eine ganze Weile. Oben auf die zusammen gebundenen Raketen schraubte eher einen Stuhl und band ihn noch zusätzlich mit mehreren Schnüren fest. So war seine Rakete nach einiger Zeitarbeit also fertig und startbereit. Danach hatte Philip aber einen so großen Hunger, dass er schnell noch in sein Lieblings Restaurant ging, um eine Riiiiiesenportion Pommes Frites Pommes Frites Pommes Frites zu essen. Dazu bestellte er sich einen Salat, und als er nach Hause kam aß er noch ein Schnitzel. Aber hatte immer Hunger und aß hinterher noch eine Portion Haferflocken und eine Nachspeise aus Eis. Jetzt war aber mächtig satt.

Obwohl er schon so satt und etwas träge war, wollte er seine Rakete noch am gleichen Tag starten lassen. Er setzte sich also auf den Stuhl und zündete die Zündschnur an, die die Rakete starten lassen sollte. Und tatsächlich fingen die Feuerwerkskörper auch an zu brennen. Als alle gleichzeitig gezündet waren, hebte sich die Rakete langsam in die Luft. Aber irgendwie war der Junge durch die üppige Mahlzeit so schwer geworden, dass die Rakete ihn nur wenige Meter hoch leben konnte, um dann langsam ein paar Meter weiter wieder abzusetzen. So war Philip zwar mit seiner Rakete geflogen, aber keineswegs bis zum Mond. Eigentlich hatte es nicht einmal so weit gereicht, um über die Bäume hinweg zu schauen. Genau besehen hatte es nicht einmal gereicht um auf den Balkon im ersten Stock zu schauen. Und in Wirklichkeit hatte es nicht einmal gereicht, um über einen Lastwagen hinweg zu fliegen. Aber geflogen war immerhin.

Und da er zumindest bewiesen hatte, dass man mit der geballten Kraft von zusammengeschnorrten Feuerwerkskörpern eine kleine Antriebs Rakete bauen konnte, war er mit seiner Leistung nicht unzufrieden. Später, als er größer war und in die Schule ging, lernte er, dass es auf dem Mond sehr kalt ist. Und da war er sehr froh, dass die Kraft seiner Rakete damals nicht so groß gewesen war.

Papa’s verlorener Schlüssel (6:10)

Eltern können, das wissen alle Kinder, manchmal ziemlich schusselig sein. Und genauso ging es eines Tages dem Papa von Philip.

Er hatte am Vormittag einen Termin mit einem Handwerker in Gersthofen. Dort Gersthofen hatten seine Eltern nämlich eine Wohnung gekauft, die sie jetzt an andere Leute vermieteten. Diese Leute haben dann immer eine monatliche Miete an Philips Eltern bezahlt, damit Philips Eltern davon wieder die Kreditraten bezahlen können. Und so ging das Geld letztendlich wieder zurück an die Bank, die Philips Eltern das Geld für den Kauf der Wohnung gegeben hatte.

Diese Wohnung musste nun dringend renoviert werden, weil die Mieter, die zuletzt darin gewohnt hatten, nicht nur ihre Miete nicht vollständig bezahlt hatten, sondern die Wohnung auch in einen ziemlich üblen Zustand hinterlassen hatten. Nun mussten also die alten Teppichböden rausgerissen werden und ein neuer Boden verlegt werden, und alle Wände und alle Türen neu gestrichen werden. Und da seine Eltern keine Zeit hatten das selbst zu machen, mussten sie einen Handwerker damit beauftragen.

An diesem Morgen wollte Philips Papa sich mit dem Handwerker treffen, ihm den Schlüssel von der Wohnung übergeben und ihm genau sagen was er alles renovieren sollte. Wie immer brachte er zunächst Philip in den Kindergarten und ging dann noch mal nach Hause, um alle Sachen für seine Fahrt nach Gersthofen einzupacken. Gersthofen ist übrigens eine kleine Stadt in der Nähe von Augsburg. Natürlich muss man dorthin mit dem Auto fahren.

Nachdem er nun alle Unterlagen und die Wohnungsschlüssel von Gersthofen eingepackt hatte, wollte er zum Auto gehen und losfahren. Er griff in seine Jackentasche nach dem Autoschlüssel. Aber da war er nicht. Dann wahrscheinlich in der linken Tasche. Aber nein, da war er auch nicht. Na ja, dann blieben ja nur noch die Hosentaschen. Er klopfte also alle Hosentaschen ab, danach alle Innentaschen der Jacke, und ging noch mal zum Schrank und suchte auch in dem Mantel, den er gestern angehabt hatte. Aber auch da war der Schlüssel nicht. Jetzt wurde er schon langsam ungeduldig. Wo war nur dieser verflixte Autoschlüssel. Er suchte in der Küche auf dem Küchenschrank, im Schlafzimmer auf dem Fensterbrett, in der Schublade, im Flur oben auf dem Garderobenschrank, denn dort legte er schon öfter mal was hin, was er dann hinterher suchte. Aber nirgends war dieser verflixte Autoschlüssel zu finden.

Er ging also in sein Büro, durchsuchte sämtliche Regale und Schubladen seines Büros und seine Taschen, die er in letzter Zeit dabei gehabt hatte. Vielleicht hatte er den Schlüssel ja da reingepackt. Aber auch dort blieb der Schlüssel unauffindbar. Jetzt wurde es ihm aber bald zu bunt. "Wo ist nur dieser verdammte Schlüssel geblieben!" sagte er, und war froh dass sein Sohn nicht dabei war, denn „verdammt“ darf man ja nicht sagen.

Philips Mutter bekam das mit, und sie hatte schon öfters erlebt, dass Philips Papa irgend etwas nicht fand. "Bleib ruhig und denk drüber nach, wann Du den Schlüssel zuletzt gesehen hast". Aber das war leichter gesagt als getan. Wie sollte man ruhig bleiben, wenn man schon spät dran ist, die Uhr immer weiterläuft, und in Gersthofen die Handwerker warten, damit man ihnen endlich die Tür aufmacht. Aber Philips Papa tat was Philips Mama sagte: er setzte sich hin und überlegte. "Gestern bin ich mit dem Auto zusammen mit Philip vom Einkaufen gekommen und habe in der Tengstraße geparkt. Danach haben wir auf dem Weg nach Hause ein Wettrennen gemacht, wer zuerst zu Hause ist. Wie immer hatte Philip gewonnen. Beim Rennen könnte es sein, dass der Schlüssel aus meiner Tasche gefallen ist. Also muss sich jetzt in die Tengstrasse zurückgehen und auf der Straße und auf dem Fußweg suchen, ob ich irgendwo einen Schlüssel finde."

Und er machte sich auf den Weg und ging den ganzen Weg zurück zum Parkplatz und schaute rechts und links und oben und unten und auf dem Fußweg und neben dem Fußweg und in allen Ecken und unter und neben den Zigarettenautomaten, denn vielleicht hatte ihn jemand aufgehoben und dorthin gelegt. Aber solange er auch den gesamten Weg abging, er fand keinen Autoschlüssel. Also ging er wieder zurück. Da kam ihm eine Idee. Er könnte ja auch das Wohnmobil nehmen, und mit dem nach Gersthofen rausfahren. Also suchte er jetzt nach dem Wohnmobil Schlüssel. Aber auch der war nicht zu finden. „Das geht ja nun wirklich nicht mit rechten Dingen zu. Jetzt sind beide Autoschlüssel weg.“ Aber dann fiel ihm ein, dass er den Wohnmobilschlüssel im Auto gelassen hatte. Also konnte er an den Wohnmobilschlüssel nur dann wenn er den Autoschlüssel hätte, und genau der fehlte ja.

Als Nächstes versuchte er bei der Mietwagenfirma anzurufen, von der er den Wagen gemietet hatte. Denn wenn ein Mietwagenschlüssel verloren geht, wird er normalerweise bei der Mietwagenfirma wieder abgegeben. Und er war jetzt schon sehr in Zeitdruck, denn der Handwerker stand sicher schon vor der Tür in Gersthofen. Nachdem er die Nummer der Mietwagenfirma gewählt hatte, hörte er die berühmte Warteschleife: "unsere Mitarbeiter sind Moment alle beschäftigt bitte warten Sie, Sie werden gleich bedient" und so ging das Minuten und Minuten. Verärgert legte er den Hörer auf.

Er rief den Handwerker an, der jetzt schon ungeduldig in Gersthofen vor dem Haus stand und bat ihn, doch am nächsten Tag wieder zu kommen, denn vielleicht hätte er bis dahin seinen Schlüssel wieder gefunden. Der Handwerker war nicht erfreut und sagte noch: "Ja ja, so was passiert mir schon auch manchmal, aber nur wenn ich abends zu spät und nach zu vielen Bieren aus der Kneipe nach Hause komme." Das wiederum fand Philips Papa überhaupt nicht lustig.

Also war's heute nichts mehr mit der Auftragsvergabe an den Handwerker. Er setzte sich in und überlegte sich, was er als Nächstes tun sollte. Er begann eine andere Arbeit, las seine E-Mail am Computer und überlegte, wie er denn nun am nächsten Tag nach Gersthofen kommen sollte, wenn er bis dahin den Autoschlüssel nicht gefunden hätte.

Und als er schon an etwas ganz anderes dachte, kam ihm plötzlich eine Idee. Er sprang auf, rannte in die Wohnung, rannte ins Schlafzimmer, sah seinen blauen Morgenmantel auf dem Bett liegen, schnappte ihn sich, fasste in die linke Tasche, fasste in die rechte Tasche und tatsächlich, da war der Autoschlüssel. Und jetzt erinnerte er sich. Der Autoschlüssel war in der Küche gelegen, er hatte ihn beim Frühstück gesehen und in Gedanken versunken in seinen Morgenmantel gesteckt. Nun konnte er den Handwerker anrufen und ihm sagen, dass er am nächsten Morgen sicher mit dem Auto nach Gersthofen fahren konnte. "Hätte ich nur ein bisschen länger drüber nachgedacht, hätte ich nur an den Morgenmantel gedacht." Aber das war zu spät.

So kam es, dass Philips Papa an diesem Tag doch Zeit hatte sein Sohn aus den Kindergarten zu holen. Und als er dort ankam erzählte er ihm und zwei Freunden von Philip diese Geschichte, und alle drei musster sehr lachen. Philip lachte noch auf den Nachhauseweg.

Der gequälte Autositz

Es war einmal vor langer Zeit ein Autositz. Er saß, wie meisten Autositze, in einem Auto fest verschraubt und wartete jeden Morgen darauf, dass sich ein Fahrer, oder wenn es ein Beifahrersitz war, ein Beifahrer auf ihn draufsetzte, sich anschnallte und los fuhr. Die Aufgabe des Autositzes ist es, den Fahrer oder Beifahrer bequem und sicher im Auto zu halten. Besonders für lange Strecken war es sehr wichtig, dass der Sitz ausreichend weich und gut gefedert war. Bei sehr kurvenreichen Strecken und bei sehr sportlichen Autofahrern war es wiederum wichtig, dass der Autositz ausreichend Seitenhalt gab, damit es den Fahrer in den Kurven nicht zu sehr hin und her schaukelte.

Unser Autositz war jetzt aber mehr einer von der bequemen Sorte. Er war in einer gemütlichen Limousine eingebaut, dessen Besitzer damit jeden Morgen zur Arbeit fuhr. Der Autofahrer arbeitete in einem Büro und saß dort den ganzen Tag am Schreibtisch. Er bewegte sich viel zu wenig, aß immer sehr viel zu Mittagessen und zum Abendessen, und trank auch noch eine ganze Menge Bier. Und obwohl er bei Kauf des Autos eine normale Figur hatte, wurde er im Laufe der Zeit immer dicker und immer schwerer. Und wenn er morgens direkt vom Frühstück zu seinem Auto ging, die Tür auf schloss und sich in den Sitz fallen ließ, wurde es für den Autositz schon manchmal sehr unangenehm. "Uaah“, knarrte er leise, versah aber trotzdem anständig seinen Dienst.

Der Autofahrer aber nahm immer weiter zu, und es wurde immer schwieriger für den Autositz, dieses Gewicht auszuhalten. „Uaaohh“ machte er schon bald, wenn sie sein Besitzer auf ihn fallen ließ. Da aber merkte, dass es mit dem Autofahrer eher schlimmer als besser wurde, musste er sich etwas anderes einfallen lassen.

In Autositzen sind unter dem Polstermaterial versteckt Eisenfedern, die dafür sorgen, dass es Polstermaterial stabil in seiner Position gehalten wird. Das Polstermaterial am Rücken des so gequälten Autositz es war schon ziemlich dünn geworden, und so begannen die Federn langsam spürbar zu werden. Nachdem nun das Gewicht von dem Autofahrer gar zu groß geworden war, beschloss der Sitz, eine seiner Federn ein bisschen nach außen zu drehen. Als der Autofahrer sich nun ein weiteres Mal in den Sitz fallen ließ: „Uaaaoh“ drehte der Autositz einfach ein bisschen an der Feder, die anfing, den Autofahrer in den Rücken zu pieksen. Darüber wunderte sich der Fahrer zunächst, aber vor einfach weiter.

Je öfter er sich aber nun mit immer größerem Gewicht in den Autositz fallen ließ: „Uaaaoaaah“, umso stärker spürte er das pieksen im Rücken. Dieses pieksen wurde eines Tages so schlimm, dass er zum Arzt ging. "Herr Doktor, ich habe manchmal so einen unangenehmen Schmerz im Rücken, was kann man dagegen tun?". Für

Der Arzt schob sich seine Brille zurecht, schaute sich dem Autofahrer mit sorgenvollem Gesicht an und sagte: "bei ihrem Gesicht, und bei ihrer körperlichen Verfassung ist es gar kein Wunder, dass es ihnen im Rücken piekst. Es ist vielmehr erstaunlich, dass sie nicht noch viel mehr Schmerzen haben, zum Beispiel an den Schultern oder am Po. "Da erschrak der Autofahrer aber. "Ja was soll ich denn da machen? ".

Der Doktor musste nicht lange überlegen: "ganz einfach: weniger essen und mehr bewegen, dann nehmen Sie ganz schnell ein paar Kilo ab, und Sie werden sehen, dass dann auch ihre Beschwerden weggehen. "Dem Autofahrer wurde ganz bange. Er aß doch so gern. Und wenn man dann so voll gegessen war, wie sollte man sich den dann noch bewegen. Aber er verstand, dass er den Ratschlag des Doktors folgen musste, denn sonst würden seine Schmerzen immer schlimmer werden.

Und so begann er noch am nächsten Tag morgens, vor dem Frühstück, eine Runde im nahe gelegenen Park zu joggen. Und statt fünf Butterbrote und eine halbe Tafel Schokolade zum Frühstück zu essen, aß er jetzt morgens ein gesundes Müsli mit Äpfeln, Bananen und Haferflocken, um ausreichend Kraft zu kriegen, ohne dabei allzu dick zu werden.

Zu Mittagessen aß er nur noch eine vernünftige Portion, und verzichtete auf die viel Schokolade und Süßigkeiten, ihr sonst immer gegessen hatte. Und abends stellte er das Bier trinken ein, bzw. reduzierte es auf maximal eine Flasche Bier.

Und schon begann er abzunehmen, und der Autositz der zuletzt schon ganz verzweifelt geknarrt hatte: für “Oaauaahrr“, merkte das auch für ihn wesentlich angenehmer wurde, und begann ein bisschen weniger mit der Feder zu pieksen. Der Autofahrer wiederum bemerkte diesen Fortschritt und wurde dann angespornt weiter abzunehmen. Und schon bald war er für den Autositz bequem zu ertragen, sodass dieser das pieksen ganz ein stellte.

Und so waren am Ende aller ganz glücklich. Der Autofahrer hatte erheblich abgenommen, legte viel gesünder und hatte eine viel bessere Kondition. Der Arzt war sehr froh, als ein Patient seinen Rat gefolgt war. Und der Autositz schließlich freute sich, jetzt nicht mehr von seinem Besitzer dermaßen zerquetscht zu werden.

Gute Nacht aus der Ferne

Nun schlaf mein Kind, ich hab Dich lieb
Und denke oft an Dich
Muss manchmal wegfahren, arbeiten,
das ist auch schwer für mich
wenn Du jetzt einschläfst, an mich denkst,
dann kannst Du sicher sein
dein Papa hat Dich furchtbar lieb
und kommt bald wieder heim
Dann tun wir was wir immer tun
Wir toben, quatschen, lachen
Und spielen, fahren Motorboot
Und basteln tolle Sachen
Gehn schwimmen, rennen und noch mehr
Was Spaß macht weißt Du schon
Denn wir sind unsere besten Freunde
Der Papa und sein Sohn

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Alle Texte ©Günter Lukas, Portugal, 2008, E-Mail: coachinpos.de